Nordic Arctic Summit - ePig testet die Nordic Combat Uniform (NCU) in Schweden!
- Erik Dusin
- 2 hours ago
- 6 min read
Die Nordic Combat Uniform ist eine Gemeinschaftsprojekt der skandinavischen Länder, um in Europa erstmalig ein Bekleidungssystem zu entwickeln, dass für heiße und kalte Klimazone genutzt werden kann. Die ersten Länder haben bereits die Bekleidungssystem erhalten, nun geht es weiter und natürlich wünscht man sich auch weitere Länder, die das System mit nutzen. Die Firma Gore als Technologie-Hersteller wollte das System aber nicht nur auf Messen vorstellen, sondern hat internationale Pressevertreter und angehörige des Militärs eingeladen, das System in Schweden unter arktischen Bedingungen zu testen.
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Nordic Arctic Summit - Nordic Combat Uniform

Nicht nur am Messestand: der Nordic Arctic Summit war eine Veranstaltung, um Endanwender und Presse die Produkte nicht nur zu zeigen, sondern am eigenen Leib zu erfahren, wie es sich anfühlt unter arktischen Temperaturen zu überleben.

Einzigartig bei dem Projekt ist, dass verschieden Marken zusammen entwickeln und so das System aufeinander abgestimmt ist. Die Unterwäsche wird von den Firmen Woolpower und Aclima gestellt, die restlichen Bekleidungsschichten von der griechischen Firma Siamidis, während Gore als Technologie-Hersteller Produkte, wie Pyrad, Windstopper und Gore-Tex Membranen einfließen lässt. Als Planungsfirma mit militärischem Hintergrund und Schnittstelle zwischen den Firmen ist das Unternehmen Layers mit dabei.

Das Ziel ist es ein Bekleidungssystem zu schaffen, dass die Kernpunkte von Bekleidung Komfort, Schutz und Langlebigkeit zusammenbringt. Es gibt immer Abstriche oder Kompromisse die man bei einem Bekleidungssystem eingehen muss, hier zeigt das Dreieck wie man am besten versucht, die wichtigsten Punkte einzubringen. Als Beispiel kann z.B. die Haltbarkeit oder die Abriebfestigkeit dazu führen, dass der Komfort beeinträchtigt wird: Bekleidung wird eventuell schwerer zu packen, ist steifer oder wiegt mehr. Auch der Schutz kann Einfluss auf den Komfort haben, wenn z.B. Wind/Wasserdichtigkeit die Bewegungsfreiheit einschränkt oder das System lauter ist.

Das Konsortium der fünf Unternehmen möchte nicht nur ein System bieten, was die Anfragen der vier teilnehmenden Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland erfüllt, sondern darüber hinaus einen Anstoß erzielen, dass die Industrie zusammenarbeitet und über den Wettbewerb untereinander hinauswächst. Der Name NCU - Nordic Combat Uniform könnte vom Namen her irreführend wirken und suggerieren, dass es sich hier um ein Bekleidungssystem handelt, dass nur für arktische Konditionen gedacht ist. Die NCU ist aber vielmehr: Wie man im oberen Schaubild sehen kann sollen drei verschiedene Systeme europäische Klimazonen, Wüsten und Dschungel abdecken - von +50° bis -46°.
Wir hatten in Schweden die Gelegenheit, das europäische System mit Kälte Add on zu testen, einige Teilnehmer haben darüber hinaus beim Combat Layer die Wüsten/Dschungel Uniform ausprobieren können.

Als Baselayer (Lage 0) dienen die Merinowollprodukte von Aclima für den Oberkörper und die Unterhosen. Die Füße werden in Socken von Woolpower in verschiedenen Grammaturen verwendet.

Die Lage 1a ist in der kalten Witterung der Gamechanger. Netzunterwäsche ist schon lange bekannt und zeichnet sich durch hohe Atmungsaktivität aus, die zusätzlich isoliert, sobald man eine Lage darüber trägt.

Auch dieser Layer wird von Aclima hergestellt und besteht aus Merinowolle. Das besondere ist, dass die Bekleidung für die militärische Anwendung optimiert wurde und so mit Rucksäcken und Körperschutz besser funktioniert (Nahtplatzierungen, Verstärkungen, etc.). Wie kann ein Netz wärmen? Alleine wärmt es natürlich nicht so gut, aber sobald eine Lage darüber getragen wird bilden sich Luftpolster in der Netzstruktur, die dann die Körperwärme speichern. Zudem kann Schweiß sehr schnell an die äußeren Lagen abgeben werden was gerade in arktischen Konditionen entscheiden ist: Nicht feucht oder nass werden ist der Schlüssel!

Woolpower ist bekannt und beliebt, auch bereits bei den deutschen Streitkräften, und stellt die Lage 1B.

200g/m² Ullfrotté Unterhose und Zip Shirt sind das erste Level der Isolation, ...

... die mit einer 400 g/m² Jacke noch verstärkt werden kann.

Die Kampfbekleidung von Siamidis ist mit der "Dot-Technology" ausgestattet, die sich gut auf der Haut anfühlt und ...

... bei Kontakt mit Feuer den Träger schützt. Natürlich hält sie als Kampfbekleidung der Lage 2A auch den anderen Belastungen im Feldeinsatz stand. Für unsere Testbekleidung wurden einfarbige Produkte gestellt, für die Ausgabe der teilnehmenden Länder wird die Bekleidung im jeweiligen Tarnmuster hergestellt - eine logistische Meisterleistung, haben doch alle vier skandinavischen Länder jeweils ein eigenes.

Der Vollständigkeit halber hier noch die Lage 2B, die wir selbst leider nicht testen konnten, aber andere Teilnehmer getragen haben. Die Lage 2B ist für tropische Umgebung und den Dschungel entwickelt und nutzt leichtere Stoffe mit höherer Atmungsaktivität sowie schnelltrocknenden Eigenschaften.

Wenn es kalt wird kommt die Lage 3 ins Spiel. Aluminium Highloft sorgt dafür, dass man bereits beim Anziehen die reflektierende Körperwärme spürt. Die Wind Stopper Membran hält gefährliche Zugluft draußen. Diese Lage ist für das europäische System enthalten, für Wüste und Dschungel entfällt sie.

So bekleidet (3A) haben wir weder statisch, noch beweglich auf Schneemobilen mit ca. 60 km/h Geschwindigkeit gefroren. Das funktionierte bei - 17 Grad Celsius hervorragend und schränkt die Beweglichkeit auch nicht großartig ein.

Wird es noch kälter kommt die Lage 3B hinzu. Eine Jacke, die die gleiche Fütterung hat, wie die Lage 3A, aber größer geschnitten ist. Die Isolation wird so erweitert. Diese Lage ist das Cold Add on für das europäische System.

Die Lage 4 ist ein eine klassische Regenschutzlage mit Hose und Jacke von Gore Tex, enthalten in allen drei Konfigurationen. Wir hatten in unserem Test keine vierte Lage dabei, da im arktischen Umfeld das Cold Add on genutzt wird und damit Layer 4 wegfällt.

Lage 5 ist die Schneetarnlage, die keine weitere Funktion hat außer der Tarnung.
Nordic Arctic Summit - Die Veranstaltung

Nach der Ankunft am Vortag und einer Kennenlernphase inklusive Einführung in das NCU System, ging es am ersten Tag in die Woolpower Fabrik in Östersund.

Unter fachkundiger Führung wurde der Herstellungsprozess ...

... vom Garn bis zum fertigen Produkt erklärt.

Man hatte auch die Möglichkeit seine Künste an der Nähmaschine zu beweisen, um mitzuerleben wie sich die Arbeit der Fachkräfte anfühlt.

Nach dem Fabrikbesuch ging es auf ins Biathlonstadion ...

... in dem uns die Biathlon Weltmeisterin Helena Ekholm in das sportliche Schießen einwies.

Hierbei konnten die NCU Lagen bei statischen Aktivitäten getestet werden. Während der ein oder andere nur Unterwäsche und Combat Layer trug, hatten andere direkt die Lage 2A an. Je länger man statisch verweilte, desto mehr zogen Teilnehmer die Lage 2A drüber um nicht zu frieren. Kritisch waren natürlich die Finger, die zum Schießen weitestgehend ohne Handschuhe sehr schnell unangenehm kalt wurden. Für die Füße hatte übrigens die Firma Haix das Modell Nature One Winter GTX zur Verfügung gestellt - ein extrem komfortabler und warmer Winterstiefel.f

Vom Stadion wurden wir mit dem Bus nach Bydalen gebracht, wo dann direkt nach Bezug der Unterkunft eine kurze Schneeschuhwanderung organisiert vom Team Silva durchgeführt wurde - natürlich auch mit deren Stirnlampen.

Nach dem Abendessen und weiteren Austausch mit den Firmen und anderen Teilnehmern, wurde das Lager draußen bereitet, für alle, die die Bekleidung in Kombination mit dem amerikanischen ECW Schlafsystem testen wollten.

Das ECW System besteht aus einem Sommerschlafsack, Winterschlafsack und einem Bivy-Cover, als Isomatte wurde eine Thermarest NeoAir XTherm NXT gestellt.

In den recht tiefen, pulvrigen Schnee war es gar nicht so leicht trockenen Fußes in den Schlafsack zu kommen.

Aber es gelang und ...

... wir hatten eine warme Nacht.

Es war allerdings so kalt, dass die Kondensation im Biwaksack gefror und es des nachts im Inneren "schneite".

Am nächsten Tag ging es auf Schneemobilen auf 1700m Höhe. Bei der Fahrt konnten wir uns davon überzeugen, ...

... dass die Bekleidung auch bei 60 km/h Geschwindigkeit sehr gut den Wind abhält.

Oben angekommen fanden wir eine beeindruckende Landschaft an einem gefrorenen See vor.

In Gruppen geteilt ging es dann in eine aktive Phase mit einem längeren Schneeschuhmarsch und ...

... eine statische Phase beim Eisfischen. Hier konnte erprobt werden, wie man die Schichten entsprechend seiner Tätigkeit anpassen sollte. Für die Statik-Teilnehmer wurde erstmalig die Lage 2B ausgegeben.

Beim Schneeschuhmarsch genügten die Baselayer und der Combat Layer - der ein oder andere ergänzte dann noch für die Rumpf die Jacke aus 2A.

Auch die Polizei und die Bergrettung der Gegend waren mit von der Partie ...

... und führten eine Bergrettung ...

... mit Heli Evakuierung vor.

Das rundete den ereignisreichen Tag ab, der bei gutem Essen und interessanten Vorträgen zurück in der Unterkunft endete. Am nächsten Tag war dann leider die schöne und höchst interessante Zeit vorbei und wir flogen wieder nach Hause.
Fazit:
Wir waren begeistert von dem Event und der bereitgestellten Ausrüstung. Natürlich konnten wir nur antesten und waren damit weit von einer militärischen Nutzung des Systems entfernt. Dennoch war dieser Einblick sehr zielführend, da es ja in Deutschland nur in wenigen Teilen oder in den Alpen ähnliche Bedingungen gibt. Wir würden uns wünschen, dass es eine EU weite Zusammenarbeit bei der Uniformierung der Streitkräfte gäbe. Die skandinavischen Länder haben uns gezeigt, dass es geht - jetzt müssen nur noch die anderen mitziehen!
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