Winchester M1 Carbine

Auch alte Schießeisen finden in der heutigen, modernen Zeit noch ihren Platz im Waffenschrank und auf den Schießbahnen. Einen der Veteranen des Nachkriegs-Schießsports stellen wir Euch hier im Kontext neuer Disziplinen vor.


Es muss nicht immer ein Black Rifle sein: Auch die Fans von Holz und Stahl finden durch die Erneuerung der Schießsport-Ordnungen der deutschen Verbände Möglichkeiten, ihre Sportgeräte einzusetzen.

Somit hat sich der BDMP (Bund der Militär- und Polizeischützen) dazu entschlossen, eine der am längsten im Schießsport in Deutschland verwendeten Waffen in neuen Disziplinen einzusetzen.

Somit können nicht nur die traditionellen Dreistellungs- oder Präzisionsdisziplinen mit dem M1 Carbine bestritten werden, sondern auch die dynamischen Disziplinen, wie z.B. PP1 (Police Pistol), NPA (Service Pistol) und PPC1500.


Die Vorteile des M1 Carbine sind die kompakte Bauform, das äußerst leichte Gesamtgewicht, die gute Manövrierfähigkeit und der geringe Trainingsaufwand. Der letzte Punkt beruht nicht nur auf der Verwendung von bereits bekannten Disziplinen in leicht abgeänderter Form (zeitlich), sondern vor allem im sanften Rückstoß der Cal. .30 Carbine Patrone.

Hierbei handelt es sich um eine zylindrische Patrone mit Kal.30 (ca 7,82mm Durchmesser) Geschoss, das mit seinen ca 600m/s Geschwindigkeit in etwa die selbe Mündungsenergie und Rückstoß wie eine .357Magnum-Ladung entwickelt (ca. 1100Joule).

Dadurch kann diese Waffe-Patrone-Kombination auf den meisten Schießständen, Abnahme vorausgesetzt, verwendet werden.


Der Schaft besteht aus geöltem Nussbaumholz und beherbergt neben der Abzugsgruppe mit Walzensicherung und Magazinschacht auch das System mit Lauf.

Die Gesamte Abzugsgruppe ist nur mit einem Pin an das System geheftet, welches wiederum in eine Nase des Schafts eingehängt und mit dem Handschutz durch das vordere Laufband verbunden wird.

Diese recht "einfache" Konstruktion machte die Herstellung des M1 sehr schnell und günstig, was natürlich ein Faktor für die Massenproduktion von 6,25Mio. Stück war.


Der Single Stage Abzug löst mit ca. 2500g Gewicht aus und ist ebenso wenig auf höchste Präzision ausgelegt, wie der Rest des Waffensystems. Im Konzept war der M1 Carbine als Ausrüstung für Unterstützungstruppen gedacht und sollte den Colt 1911 ergänzen. Durch die hohe Popularität bei den Bedienern wurde er jedoch auch bald bei den Fallschirmjägern und anderen Fronteinheiten eingesetzt.


Gefüttert wird der M1 durch Blechmagazine, die in 15 (links) und später 30 Patronen Kapazität ausgegeben wurden. Für deutsche Schützen gibt es noch 5- und 10-Schussmagazine (rechts).

(Die Foto- und Filmaufnahmen mit dem 15er Magazin wurden vor Inkrafttreten der Gesetzesnovelle angefertigt.)


Der Verschluss ist auf Basis des M1 Garand-Verschlusses aufgebaut und verfügt über zwei Verschlusswarzen und einen seitlichen Auswerfer.

Man kann diesen Verschluss als Vorläufer des M14 oder Mini14 Verschluss-Systems verstehen, die ähnlich konstruiert wurden.


Auch die Visierung ist ähnlich der M1 Garand Visierung aufgebaut.

Die Lochkimme kann in der Höhe nur grob über einen gerasteten Schlitten in vier Stufen, die seitliche Treffpunktabweichung über eine Rändelschraube justiert werden.


Das Balkenkorn verfügt über zwei seitliche Kornschutzbacken und liefert ein gut aufnehmbares Zielbild.


Das Laufband, das Schaft, Lauf mit System und Handschutz zusammenhält, verfügt auch über einen Bajonetthalter.


Fazit:

Alles in allem handelt es sich beim .30M1 Carbine um eine historisch interessante Waffe mit Daseinsberechtigung im Sportschützenwesen. Die Tatsache, dass bei der Verwendung als Sportwaffe laut Sportordnung keine Veränderungen an Technik und Visierung außerhalb des historischen Kontexts erlaubt sind, macht die Teilnahme an Wettkämpfen besonders reizvoll, da alle mit sehr ähnlichem Equipment starten.

Auch ist die Nachforschung über verwendete Bauteile, Hersteller, Zulieferer und die Nachkriegsgeschichte sehr interessant und füllt unzählige Bücher und Foren.

Der hier gezeigte M1 zum Beispiel: Das System mit Lauf stammt von Winchester, die Abzugsgruppe von Inland Manufacturing (General Motors), der Bajonetthalter von I.B.M. und so weiter und so fort.

Eingesetzt war die Waffe zuletzt bei der Bayerischen Gefängnisverwaltung.


Wer mehr über die Geschichte wissen will, kann sich in englischer Sprache hier informieren:

https://thecmp.org/sales-and-service/m1-carbine-information/

http://www.bavarianm1carbines.com/index.html